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Im Februar 2016 waren wir zum ersten mal auf der Insel Mallorca, um unser Partnertierheim SOS Animal Mallorca und private Pflegestellen zu besuchen. Es waren tolle Tage mit wundervollen Hundebegegnungen und obwohl uns die Besuche der verschiedenen Perreras, auch Tötungsstationen genannt, sehr nahe gegangen sind, war es doch wichtig dort gewesen zu sein. Auf der Insel angekommen, haben wir die Sonne in allen Zügen genossen – denn im Februar war es in Deutschland noch eisig kalt und es lag Schnee. Unsere eigentliche Aufgabe – so viel wie möglich über das Leben der Hunde dort zu erfahren – haben wir natürlich nicht vergessen.

Gleich am nächsten Tag ging es mit unserem Mietwagen auf holprigen Wegen zum Tierheim SOS Animal Mallorca. Das Tierheim wird von Deutschen geführt, aber die vielen spanischen Mitarbeiter packen unermüdlich mit an. Wir haben Hunde kennengelernt die wir bisher nur von Vermittlungstexten kannten und haben uns wie wild darüber gefreut. So waren wir z.B. mit Langzeitbewohner Atila spazieren und haben fleissig seinen Ball geworfen. Auch die Schattenseiten eines Hundelebens auf Mallorca haben wir kennengelernt. Am letzten Tag auf der Insel haben wir uns dann auf den Weg in die Perreras gemacht. Unsere Eindrücke haben wir aufgeschrieben:

Im Februar diesen Jahres betrat ich zum ersten Mal eine städtische Perrera, auch Tötungsstation genannt.

Ich hatte mir viele Gedanken darüber gemacht und in den Nächten vor meinem Besuch konnte ich nur schlecht schlafen.
Ich hatte alles erwartet, aber nicht den steinigen Feldweg der uns zu diesem Ort führte: Gelbe Blüten säumten rechts und links die Fahrspur. Ob wir hier richtig sind?
Nach ein paar wenigen Kilometern kam das unscheinbare Schild, dass die „Perrera Municipal Llucmajor“ ankündigt. Rechts vom schön angelegten Parkplatz waren zwei langgestreckte Gebäude mit einem schmalen Gang in der Mitte. 5 Männer standen in der Sonne. Einer kam auf uns zu, bemerkte dass wir uns nicht auskannten und verlangte 10 Euro für das besichtigen der Zwinger. Die anderen lachten. Mir war nicht nach Lachen zumute, nach Witzen auch nicht.
Dann durften wir den schmalen Gang betreten. Ein Border Collie Welpe begleitete uns. Scheinbar gehörte er einem der Männer. Ich fragte mich, wie man selbst einen Hund haben und hier „arbeiten“ kann. Denn das, was ich dort gesehen habe, ist keine artgerechte Haltung. Jeder Hund hat einen ca. 3 Schritt-langen betonierten Schlauch zur Verfügung. Die Wände sind ebenfalls betoniert, erst oben kommt ein Gitter. Das Ende des Schlauches ist überdacht. Gerade so, dass ein ausgewachsener Hund darin Platz hat. Eine dünne Decke lag in manchen der Zwinger, Spielzeug oder Futter habe ich keines gesehen. Ansonsten ist der Hund den Jahreszeiten ausgesetzt. Manche mussten sich den Zwinger teilen, andere warteten alleine darauf, dass etwas passierte. Wir gingen langsam den Gang entlang. Die meisten Hunde kamen freundlich wedelnd an die Zwingertüre, manche bellten. Nur der Labradormischling im letzen Betonkasten stand einfach nur da. Zitternd. Er beobachtete uns, ließ uns nicht aus den Augen. Zitterte ununterbrochen weiter.
Das ist sie also. Die Tötung.
Noch bedrückender für mich war dann der Besuch von Son Reus, einer größeren Einrichtung.
Das Gebell der Hunde hörte man schon von weitem. Es stank erbärmlich nach Kot und Urin, ein uralter Boxer wurde von einem Mann aus einem Gebäude gezogen. Er wehrte sich mit aller Kraft dagegen, eine Chance hatte er keine. Auch er landete wieder in seinem Zwinger. Als wir an ihm vorbeiliefen hatte er nicht einmal mehr die Kraft aufzuschauen, oder er hatte entschieden, dass es sich nicht mehr lohnt.Ich hatte erwartet, dass ich bitterlich weinen würde. Aber so war es nicht. Ich hatte nur einen Gedanken: Wenn es mir gelingt, auch nur einen da rauszuholen, hat es sich schon gelohnt.“